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Leseproben - Brauchtumspflege

Weiberfasnacht

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Auszug Leseprobe:

„Du kannst dir sischer vorstellen, watt da los war, wenn wir früher losjezogen sinn!“

Hardy konnte es sich vorstellen. Hermanns Gesten ließen keinen Zweifel aufkommen, was er gemeint haben könnte. Mit Daumen und Zeigefinger hatte er eine Öffnung geformt, in die er mit dem Stiel eines Teufelsspießes rhythmisch hineinstieß. Nein, Hermanns trieb-hafter Blick schloss jede Fehlinterpretation aus. Da war was abge-gangen, früher, und auch jetzt – nach dem wahrscheinlich 20ten Kölsch war kein Weiberhintern vor Hermann sicher.

Hardy war erst später in die Ratsstube – zum Kantner, wie man im Ort sagte – gekommen, als die Feier schon längst im Gange war. Die Weiberfasnacht im Landschaftsverband hatte er sich nicht entgehen lassen wollen, auch wenn seine Teilnahme dort die Standfestigkeit für den Abend zum Leidwesen seiner Gattin schon verschiedene Male massiv beeinträchtigt hatte. Ja, es war schon zu einigen bedauerlichen Totalausfällen gekommen, wie Eingeweihte wussten.

Heute aber fühlte sich Hardy fit genug, um noch einen Absacker beim Kantner zu nehmen, zumal er auch seine Frau Alessa dort im Kreise von Freunden und Nachbarn vermuten durfte. Lärm und Qualm verschlugen ihm den Atem, als er zu fortgeschrittener Stunde die Ratsstube betrat, gerade noch rechtzeitig, um zu beobachten, wie Hermann – trotz seiner 82 Jahre immer noch ein beachtlicher Kampftrinker – mit beiden Händen von hinten Alessa Brüste umklammerte, laut die Polonaise mitgrölend: „Wir fahren los mit ganz großen Schlitten, und Hermann packt Alessa von hinten an die Schulter…“ Alessas lautes Kreischen schien ihm willkommene Aufforderung weiterzumachen.

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