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Leseproben - Brauchtumspflege

Die Sünden des Senators

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Auszug Leseprobe:

Die Handlung

Im Swimming Pool hinter seinem Haus wird Franz Möller, Senatspräsident und Elferrats-Vorsitzender der Grossen Karnevalsgesellschaft tot aufgefunden. Alles sieht nach einem Unfall infolge übermäßigen Alkoholgenusses aus. Aber eine Reihe von Ungereimtheiten machen Kriminalkommissar Fischer, der den Todesfall untersucht, stutzig. Mutmaßungen und Gerüchte machen in dem kleinen Ort Grönroda am Rande des Bergischen Landes die Runde. Von „Fehltritten“ des Senators ist die Rede – und ganz offensichtlich hatte sich Franz Möller auf dem Weg nach oben nicht nur Freunde gemacht. Hinter einer gutbürgerlichen Fassade tun sich Abgründe auf. Auch die Untersuchungen der Gerichtsmediziner fördern merkwürdige Phänomene zu Tage…Selbstverständlich sind Handlung und Personen frei erfunden, Ähnlichkeiten mit wirklichen Begebenheiten und lebenden oder bereits verstorbenen Personen sind daher rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Der Autor

Tedje Wind wurde 1952 in Husum als einziger Sohn des Krabbenfischers Harm – Krischan Wind und seiner Frau Meta geboren. Nach dem Besuch der Hauke-Haien-Hauptschule durchlief er eine Ausbildung zum Krabbenfischer, um dereinst den väterlichen Kutter übernehmen zu können. Schon in frühester Jugend begann er, die ihn umgebende Landschaft und die von ihr geprägten Menschen unter Einbeziehung folkloristischer Elemente in kleinen Geschichten zu beschreiben. Diese Gewohnheit behielt er auch nach seiner Umsiedlung von der Küste ins tiefe Binnenland bei. Als führender Vertreter des Absurden Realismus (oder Realen Absurdismus) konzentriert er seine einfühlsamen Erinnerungs- und Rückschau-erzählungen stets darauf, sozialtypische Konflikte der handelnden Personen zu entwickeln und Handlungsmuster und gesellschaftliche Befangenheit seiner Personen deutlich zu machen.

I.

Iris Stör – Johansen fühlte sich an eine Szene aus dem Film „Der Name der Rose“ erinnert, als sie den dickem Mann im Wasser treiben sah. Dem konnte kein Arzt mehr helfen. So wie der aussah, hatte er schon einige Stunden leblos in seinem Pool gelegen, bläulich – blass und aufgedunsen, so dass er noch speckiger wirkte als gewöhnlich, wenn er in kurzer Hose und nacktem Oberkörper seinen Rasen mähte oder eben dann und wann wie ein Walross ein paar Bahnen durch seinen Pool pflügte.

Der Anruf der Zentrale hatte sie unterwegs erreicht – auf dem Rückweg von einem anderen Notfalleinsatz. Nur zufällig hatte sie Dienst an diesem Montagmorgen, hatte mit einem Kollegen getauscht. Und dann diese Mitteilung: Notfall in Grönroda, Schwedenweg 5 bei Möller. Das war ihr Nachbar. Was um alles in der Welt mochte da geschehen sein?

Im Schwedenweg 5 stand die Haustür weit auf. Offenbar waren schon andere am Ort des Unglücks eingetroffen. „Hallo“ rief sie, als sie den Flur betrat und vorsichtig auf die gläserne Wohnzimmertür zuging. Durch die Scheiben sah sie Doro, die Nachbarin im Garten mit Hubert Schlosser, einem Freund ihres Mannes, heftig gestikulierend. Schlosser stocherte mit einem Brett im Pool herum, und als Iris näher trat sah sie den leblosen Franz Möller mit weit aufgerissenen Augen und Mund im Wasser treiben, knapp unterhalb der Oberfläche. „Komm, hilf uns, wir müssen ihn rausziehen“, sagte Doro angestrengt. „Habt ihr die Polizei gerufen?“, fragte Iris, die sich an den Beckenrand gekniet hatte, um einen Arm von Franz zu erwischen, während Schlosser den Körper mit dem Brett an die Seite zu schieben versuchte. „Polizei“, fragte Doro zurück, „daran hab’ ich gar nicht gedacht. Ich hab’ erst einmal den Hubert angerufen, der ist ja bei der Feuerwehr, und dann den Notarzt!“

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