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Leseproben - Allgäu-Trilogie

Heimgang aus dem Sonnengarten

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Auszug Leseprobe:

Eine Kriminalgeschichte von Juri Königstein

   
Die Handlung

In einem Seniorenstift in Sonthofen, in dem seit einiger Zeit auch Eberhard von Waidsassen Quartier genommen hat, kommt es zu einer auffälligen Häufung von Todesfällen, die von der Leitung des Hauses zunächst als „statistischer Nachholbedarf“ eingestuft werden. Im Zuge von Ermittlungen gegen den Altenpfleger Stefan Lindner wegen diverser Unterschlagungen im Seniorenstift kommt es zu einer atemberaubenden Enthüllung: Lindner gibt zu, 21 Bewohner des Hauses Sonnengarten ermordet zu haben, beschuldigt aber seinerseits das Ehepaar von Waidsassen junior, ihn zum Mord an Eberhard von Waidsassen angestiftet zu haben. Kommissar Fuhs von der Kemptener Kripo ist aufs Höchste verwirrt: Wieso bringt Lindner 21 Heimbewohner um, nicht aber Eberhard von Waidsassen, obwohl ihm für dessen vorzeitigen Heimgang eine hohe Belohnung versprochen worden sein soll? Der Fall nimmt eine überraschende Wende… Selbstverständlich sind Handlung und Personen frei erfunden, Ähnlichkeiten mit wirklichen Begebenheiten und lebenden oder bereits verstorbenen Menschen sind daher rein zufällig und nicht beabsichtigt.

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Der Autor

Juri Königstein, erwies sich bereits mit dem dramatischen Werk „Der Unaussprechliche“ (Bergisch Gladbach 1993), der Kriminalgeschichte „Das geplünderte Sparbüchle“ (Bergisch Gladbach 1994) und der Erzählung „Dr Obschdhändler (Rösrath 2002) als scharf beobachtender Biograf der Familie Von Waidsassen und wahrheitsliebender Chronist des Allgäu. Geschickt verknüpft Königstein einzelne Episoden im Leben der von Waidsassens, führt die Widersprüchlichkeit der Charaktere und die Unausweichlichkeit ihres Handelns vor Augen. Einfühlsame Distanz weiß er – wo es erforderlich ist - mit liebevoller Nähe, auch im Detail, zu verbinden. Die Tragik des Geschehens symbolisiert für ihn als Vertreter des absurden Realismus’ eine elementare Grundbedingung des menschlichen Daseins: Wer sich mit dem Absurden abgefunden hat, findet sich in der Welt gut zurecht.

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Mit einem höchst süffisanten Lächeln entleerte Eberhard von Waidsassen die Medikamentenbox in den Keramiktopf, der auf seiner Fensterbank stand und in dem all die blauen, roten, weißen und gelben Pillen und Kapseln, dispert und auch retard, eine optisch ansehnliche Mischung aufgehoben waren. Schon vor geraumer Zeit hatte er beschlossen, dass eine derartige Menge Chemie, wie er sie nach Auffassung seines Arztes täglich zu sich nehmen sollte, nicht gut für die Gesundheit sein könnte. Und siehe da – er lebte noch, auch ohne Pillen.

Das konnten beileibe nicht alle Senioren des Hauses Sonnengarten von sich sagen. Denn in den vergangenen Monaten war es zu einer bedauerlichen Serie von Abgängen alteingesessener Bewohner gekommen, eine Häufung von Todesfällen, die den Verdacht nach einer rätselhaften Viruskrankheit aufkommen ließ. Eberhard musste schmunzeln. Nichts hatten den meisten die Erzeugnisse der pharma-zeutischen Industrie genutzt, die angeblich ein längeres und beschwerdefreies Leben garantieren sollten. Nun, zumindest beschwerdefrei – das waren sie jetzt ja wohl, seine ehemaligen Mitbewohner, dachte er sich, jedenfalls nach allem, was man über den postmortalen Zustand so wusste oder zumindest vermutete, wie er teilnahmsvoll einschränkte. Tja, und auch er hatte ja eigentlich keinen Grund zur Beschwerde.

Vor fast einem Jahr hatte er sich in das Seniorenstift in Sonthofen eingekauft. Ein Appartement, klein aber komfortabel, das den Bedürfnissen seines Alters und Gesundheitszustandes entsprach, bot Zuflucht vor den familiären Zwistigkeiten, die ständiger Gast im Böblinger Eigenheim gewesen waren. Wie häufig war es zu dramatischen Zuspitzungen gekommen, und wie überdrüssig war er dieser Auseinandersetzungen im Laufe der Jahre geworden.

Die Todesfälle im Haus – immerhin 20 seit seinem Einzug – bestätigten Eberhard also in seiner Abneigung gegen die verordneten Arzneimittel, ja Eberhard konnte sich des Gedankens nicht erwehren, dass die Konzentration pharmazeutischer Wirkstoffe im menschlichen Körper das frühzeitige Ableben geradezu beförderten.

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